Eine Lok mit 6 Zylindern?!

  • Hallo Dampflokexperten,


    bei EBAY bin ich auf folgendes Bild eines Loktorsos gestoßen:
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    Auf den ersten Blick sah für mich die Lok aus, als hätte sie 6 Zylinder.
    Nur bei genauerem Hinsehen erkennt man über den mittleren Niederdruckzylindern die Dampfkanäle in den Schiebern, wodurch der Eindruck, dies könnten weitere Dampfzylinder sein, schwindet.
    Doch warum hat diese Lok 6 Schieber bei 4 Zylindern?
    Offensichtlich handelt es sich um eine französische Lok und die Franzosen waren Experten auf dem Gebiet für komplizierte, effiziente Triebwerke.
    Weiß jemand mehr über diese Lok, z.B. Bauart usw.?


    Gruß Dirk

    M.A. Verick:
    Die gefährlichsten Massenvernichtungswaffen sind die Massenmedien. Denn sie zerstören den Geist, die Kreativität und den Mut der Menschen, und ersetzen diese mit Angst, Misstrauen, Schuld und Selbstzweifel.

  • Hallo Dirk,


    ich bin mal Arnos Empfehlung gefolgt - ein Triebwerk mit zwei Triples mit Zwischenüberhitzung zwischen HD und MD und Lentz-Ventilsteuerung hat was und dann noch die Blasrohranlage - ein Doppel-Kylchap - toll.


    Wem nun Kylchap rein gar nichts sagt, kann Bitte melden Sie sich an, um diesen Link zu sehen. und/oder Bitte melden Sie sich an, um diesen Link zu sehen..


    Wer kann, sollte auf jeden Fall mal einen Besuch im französischen Eisenbahnmuseum in Mulhouse machen - Bitte melden Sie sich an, um diesen Link zu sehen..


    Ich finde die Arbeiten Bitte melden Sie sich an, um diesen Link zu sehen. übrigens faszinierend, insofern danke für die Frage.


    Grüße Dietrich

    Feinblechner können machen aus feinen Blechen feine Sachen.


  • Hallo,


    das Bild stellt wahrscheinlich nicht die 160-A1 dar. Wenn ich die französische Wikipedia richtig verstehe, wurde die schon 1955 verschrottet. Und auch das Triebwerk passt nicht. Die 160-A1 hatte 2 grosse Niederdruckzylinder aussen.
    Ich vermute, dass es sich um eine Vierzylinder Verbund Lok handelt:
    Rechts glaube ich zu erkennen: Unten HD-Zylinder, darüber die Schieberbuchse, von dort geht eine genial groß dimensionierte Leitung zu dem oberen rechten "Rohr" der mittleren ND Zylindergruppe. Ich vermute, das das ein Verbinder ist (für äußere oder doppelte Einströmung). Dann kommt nach unten Links die Schieberbuchse und der Zylinder. Auf der anderen Seite alles spiegelbildlich.


    Bitte verbessert mich!


    Joachim

  • Joachim,


    Du hast sehr wahrscheinlich recht. Hier das angefragte Bild


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    und hier ein Bild der Zylinderbaugruppe der 160 A1 im französischen Eisenbahnmuseum.


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    Die sieht doch deutlich anders aus, als die auf dem nachgefragten Bild. Beeindruckend ist aber beides.


    Grüße Dietrich

    Feinblechner können machen aus feinen Blechen feine Sachen.

    2 Mal editiert, zuletzt von Dampfspieler ()

  • Wie ich schon oben schrieb, die Franzosen hatten was drauf, besonders André Chapelon.


    Warum mich dieser Loktorso interessiert ist die Tatsache, dass der ND-Zylinder innen und
    der HD-Zylinder außen ist.
    Diese Anordung hat den Vorteil, dass der ND-Zylinder im Inneren geschützter vor Abkühlverlusten ist.
    Man vergleiche in diesem Zusammenhang mal den "Sachsenstolz" (BR 19) oder die bayr. S 3/6,
    deren ND-Zylinder außen liegen.
    Das Problem dabei ist im Inneren den Platz für den voluminöseren ND-Zylinder zu finden, weshalb
    man oft die HD-Zyllinder etwas nach hinten setzte, so z.B. bei der pr. S10.1 Bauart 1911 (BR 17.10)
    oder der Bitte melden Sie sich an, um diesen Link zu sehen., von der bei der DR sogar eine als Bitte melden Sie sich an, um diesen Link zu sehen. lief.
    Die BR 07 ist eine meiner Lieblinge.
    Zum Einen besitzt sie ein exzelentes Triebwerk und zum Anderen holt sie mit ihrer Kohlenstaubfeuerung
    das Letzte aus der Braunkohle raus.


    Zur 160-A1 habe ich die Vermutung, dass diese "Dreifachexpansion" eher dazu geeignet ist, ein Schiff
    anzutreiben, als eine Lok, ähnlich wie bei der Dampfturbine.
    Bei Lokomotiven wechseln die Belastungszustände in der Praxis zu häufig.
    Beschleunigen, Beharrungsfahrt, Leerlauf in dichter Folge ist nichts für Dampfturbinen und
    wohl auch nicht für eine Lok mit "Dreifachexpansion".
    Auf einem Schiff ist das anders, da hier der Antrieb über längere Zeit eine konstante Leistung erbringt.
    Interessant ist in diesem Zusammenhang die Wahl einer großen Güterzuglok, da diese in der Regel nicht
    an jeder "Milchkanne" anhalten muß, wie z.B. eine Personenzuglok.
    Da hat man sicher erhofft, eine ähnliche konstante Leistungsabgabe zu haben wie auf einem Schiff.


    Doch spielen in der Praxis andere Faktoren eine Rolle.
    Bestes Beispiel sind hier die "erfolgreichen Preußen", z.B. P8, G8, usw.
    Da sind die Drei- und Vierzylinderloks schon nicht mehr konkurenzfähig mit ihren vielen Schmierstellen,
    die ja regelmäßig versorgt werden wollen.
    Schaut man zum Ende der Dampflokzeit, blieben als Drillinge nur noch die BR'en 01.10, 03.10 und die 44er,
    Konstruktionen also, wo der "Mehraufwand" auch praktischen Sinn machte, z.B. in einer günstigeren
    Kraftverteilung, besseren Maßenausgleich, usw.
    Verbundloks spielten in Deutschland da keine Rolle mehr.


    Auch muß man zur Verbundwirkung sagen, dass sie sich bei den Schnellzugloks am längsten gehalten hat, neben
    den Gelenkloks z.B. der Bauarten Mallet, Meier, usw.
    Daraus läßt sich schließen, dass eine Schnellzuglok wohl eher die geeigneten Einsatzbedingungen für ein
    Antriebskonzept bietet, welches seine Vorteile eher bei längerer konstanter Leistungsabgabe ausspielen
    kann, nur hatte wohl eine Schnellzuglok zu wenig Achsen für 6 Zylinder, daher vermutlich die Umsetzung
    der 160-A1 als Gz-Lok.


    Eine Frage zu dem Zylinderblock im franz. Eisenbahnmuseum habe ich, und zwar zu den Schweißnähten.
    Ist dies wirklich der Originalzylinderblock, den ich eher als gegossenen vermutet hätte, oder ein
    geschweißter Nachbau fürs Museum?


    Viele Grüße
    Dirk

    M.A. Verick:
    Die gefährlichsten Massenvernichtungswaffen sind die Massenmedien. Denn sie zerstören den Geist, die Kreativität und den Mut der Menschen, und ersetzen diese mit Angst, Misstrauen, Schuld und Selbstzweifel.