Eine 4-Zylinder-Schnellzuglok entsteht

  • Hallo Harald,


    es gibt natürlich nur eine gekröpfte Achse. Die anderen Achsen werden wie bei einer Zweizylindermaschine auch nur über die Kuppelstangen angetrieben.


    lg Jonas


    PS. Gerard, tolle Lok und sehr gute Berichterstattung

    ! ! Der Weg ist das Ziel, also lasst uns weiter Dampf kochen ! !

  • Hallo Harald,
    der Antrieb erfolgt immer paarweise. Beide Außentriebwerke auf dieselbe Achse und beide Innentriebwerke (oder auch nur eins, beim Drilling) auf dieselbe Achse. In meinem Fall alle 4 Zylinder auf ein und dieselbe Treibachse, Bauart de Glehn unterscheidet sich durch Zweiachsantrieb.
    Hoffe deine Frage richtig verstanden zu haben.
    Gruß Gerhard

  • Servus Tigerfishli.



    Danke für deinen Beitrag und das aussagekräftige Foto.


    Sicher interessiert das nur der harte Kern der Dampfbahnerszene, ich aber meine jetzt kommt Salz an die Suppe!



    Im Lehrbuch von Leopold Niederstrasser (Die Bibel der Dampflokführer) steht: Beim Vorwärtsgang der Maschine eilt die rechte Seite der Linken um 90° voraus.



    Auf deinem Bild scheint es aber so, als ob diese 90° hier gar nicht zutreffen. Habe ich einen Knick in der Optik, oder ist das tatsächlich so? Vielleicht hast du noch weitere Bilder aus anderer Perspektive gemacht und kannst das und Weiteres aufklären. Auch scheint mir, dass es sich nicht um eine deutsche Bauart handelt.


    Vielen Dank im Voraus für weitere Aufklärung.



    Gruß Gerhard


  • Hallo Volker,
    den Niederstrasser habe ich nie angezweifelt. Jedoch ist das Bild aus einem Blickwinkel aufgenommen bei dem man das nicht so einwandfrei erkennen kann, ich zumindest. Vielleicht hat tigerfischli noch ne andere Aufnahme.
    Gruß Gerhard

  • Leider habe ich keinen mir persönlich (gut) bekannten Kollegen in Meiningen und unser Betriebsrat mit den Verbindungen dorthin ist diese Woche noch nicht im Haus.
    Da im Hintergrund des ominösen Radsatzes ein zweiter zu sehen ist, besteht die Möglichkeit, dass er zu den von mir in der Radsatzwerkstatt fotographierten weiteren gehört, auf dem Kennzeichnungsanhänger ist 141R840 vermerkt - ich nehme an , dies ist keine SAP Nr. zusätzlich noch ein Bild des Lieferscheines.


    Viele Grüsse aus München


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  • Um die entstandenen Missverständnisse betreffs der genormten rechtsseitigen Voreilung auszuräumen, schaut Euch das Foto des vermutl. gleichen Radsatzes, allerdings aus einer mehr Aufschluss bietenden Perspektive im Anhang mal an. Niederstrasser zweifelt ja niemand an, denn er verkündet eigentlich nur Altbekanntes zusammenfassend. Sicherlich kann es irgendwo auf der weiten Welt eine Ausnahme von der Regel geben. Gruß Fritzle.



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  • Eine 4-Zylinder-Schnellzuglok entsteht



    …die Wasserstrahlteile sind endlich fertig und abzuholen.



    Natürlich könnte ich mich nach einem anderen Handwerker mit Laser,- oder Wasserstrahlmöglichkeiten umsehen, aber meiner ist nur 5 km vor der Haustür und der persönliche Kontakt auf Augenhöhe hat auch einige wesentliche Vorteile, die die Warte,- und Vertröstzeit aufwiegen.



    Der Auftrag hat sich gelohnt. Nicht nur Rahmenwangen, auch die für die Drehgestelle, Zylinderwangen und das hintere Rahmenabschlussblech wurden in einem Rutsch machen lassen. Die linken Teile sind die Rahmen für die Nachlaufachse, diese werden am hinteren Ende innen, angenietet. Innen deshalb, damit sich der Außenabstand des Rahmens verjüngt, sodass die Nachlaufachse, die als Adamsachse ausgebildet wird, einschwenken kann. Oben links von der Mitte der Schwingenträger, gleichzeitig auch Rahmenverbinder. Auf den Rahmen (ineinander) gesteckt, trägt er ordentlich zur Verwindungsstabilität bei.


    In solch einem „Großauftrag“ passen die Treibstangen auch noch mit rein.


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    Die Rahmenausschnitte für die Achslager sind ein Millimeter enger geschnitten. Selbstverständlich müssen sie anschließend noch auf Maß gefräst werden, die relativ hohe Präzision der Wasserschneidanlage reicht da doch nicht aus, hier geht es um wenige hundertstel Millimeter, mehr als 3/100 dürfen es auf keinen Fall werden!


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    Während der Wartezeit auf die Wasserstrahlteile wurden ja anderweitig Kleinteile gefertigt, dadurch machte das Projekt recht große Fortschritte und Spaß, man hat mal etwas auf der Werkbank stehen, na ja, zum Bilder machen auch mal im Garten. Motivationsschub pur.


    Mehrere Teile zusammen gefügt sieht das dann so aus.


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    Fortsetzung folgt.



    Grüße vom Bodensee, Gerhard





  • Eine 4-Zylinder-Schnellzuglok entsteht



    Dieser Ausschnitt aus der Konstruktionszeichnung zeigt den Schwingenträger/Rahmenverbinder, wegen der vielen Einschüsse, Kurven und Rundungen bietet sich Wasserstrahl schneiden geradezu an. Die Rundung oben ist erforderlich, weil es bis zur Kesselunterkante recht eng zugeht, und die Steuerwelle auch noch Platz finden muss. Das Teil wird mit Winkel 10x10x2 (die kleineren kriegt man ja nicht mehr) am Rahmen vernietet und am Schwingenträger mit M2,5 (Modellschrauben) verschraubt. Das passt von den Proportionen her auch optisch sehr schön zusammen.


    Zum Schluss bekommt der Schwingenträger/Rahmenverbinder noch einen hart aufgelöteten Rand, damit sieht er dann aus wie ein Gussteil.



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    Fortsetzung folgt.


    Grüße vom Bodensee, Gerhard



    @Jonas, danke für den Tipp!!!





  • Hallo Gerhard


    Das ist eine wahnsinns Arbeit.Ich hoffe die wunderschöne Lok in Kürnbach unter Dampf zu sehen.
    da brachsch doch dei 70erle gar num,oddr.
    Ich habe auch nicht geschlafenund ine einem Jahr eine E63 gebaut.
    Wenn ich mal dazukomme stelle ich ein paar Bilder ein.


    Viele Grüße aus dem Allgäu: Herby60

  • Servus Herby,
    danke für die Blumen, aber mein 70erle passt noch sehr gut in die badische Sammlung!
    Lass mal deine Fleißarbeit sehen. Bauberichte sind gern gesehen, aber leider recht selten.
    Bis im Frühjahr in Kürnbach, werde mal bei Rainer einen Sonderzug einlegen lassen.
    8)
    Gruß Gerhard

  • Eine 4-Zylinder-Schnellzuglok entsteht



    … Das Gestänge besteht ebenfalls aus überfrästen Wasserstrahl geschnittenen Teilen.



    Bearbeiten der Kuppelstangen für das Innentriebwerk.


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    …Die Stichmaßlehre



    Das Stichmaß ist der Abstand zwischen zwei oder mehreren Achsenmitten, aber auch das Maß zwischen den Rahmenausschnitten von Mittellinie zu Mittellinie. Dieses Maß ist das allerwichtigste beim Bau einer Lokomotive mit Stangenantrieb und entscheidendfür einen leichtgängigen Lauf des Triebwerkes. Was 3 hundertstel Millimeter Differenz übersteigt, bringt das Gestänge in den jeweiligen Totpunkten schon zum Schwergang oder gar zum Klemmen. Früher habe ich das mit relativ großem Aufwand gemessen, heutzutage fertige und kontrolliere ich die Rahmenausschnitte nach den Messstäben am Frästisch. Für das Stichmaß an den Stangen verwende ich aber einen ganz einfachen Trick und mache mir eine ganz simple, preiswerte Lehre. Im Baumarkt bekomme ich für 3 €,noch was Spannschlösser für den Gartenzaun, das sind die mit dem Rechts- und Linksgewinde. Für diese Lehren (ich brauche zwei davon) löte ich an eine Gewindestange je ein Auge mit dem entsprechenden Durchmesser und gebe auf jede Seite eine Kontermutter dazu.


    Zum Justieren der Lehre werden die Räder in den gedachten Totpunkt (Kuppelzapfen auf Zylinder-Treibachs-Mittellinie) gestellt, das Mittelteil der Lehre mit den beiden Gewindebohrungen drehen bis der Lochabstand passt, jetzt setze ich diese Lehre auf die Kuppelzapfen. Danach den Vorgang auf der gegenüberliegenden Seite wiederholen (wieder Kuppelzapfen auf Höhe der Zylinder-Treibachs-Mittellinie). Lehre ebenfalls so einstellen, dass man das Triebwerk leichtgängig über den Totpunkt vor- und zurück bewegen kann. Wenn man danach, zur Kontrolle, die beiden Lehren noch vertauscht, die rechte nach links und die linke nach rechts, ist die Sache perfekt. Kontermutter festziehen und danach mit der festgeschraubten Lehre die Stangen verbohren. Das genaue Maß? -Keine Ahnung, habe ich nie nachgemessen, wird so sein wie das Stichmaß.



    Bearbeiten der Kuppelstangen für das Außentriebwerk.


    Im Bild ist die Lehre samt aller benötigter Teile zu sehen. Die Arbeitsgänge der Reihe nach: Zuerst wird eine Bohrung in die Kuppelstange eingebracht und auf Maß ausgerieben, danach der exakt auf maß gedrehte Bolzen eingesteckt um die Lehre aufder einen Seite zu fixieren. Die zu bohrende Kuppelstange samt Lehre wird, im Schraubstock befestigt auf den Tisch der Bohrmaschine gelegt und der Schraubstock erst fixiert, nachdem die Bohrbüchse eingelegt und der im Bohrfutter eingespannte Vorbohrer bereits in der Bohrbüchse steckt, also genau ausgerichtet ist. Jetzt kann nichts mehr verlaufen. Festspannen, vorbohren, eingesetzte Bohrlehre raus, nachbohren und ausreiben mit 14 H7. Anschließend wird noch ein Iglidurlager mit einem passenden Dorn eingedrückt.


    Fertig -und auch noch sehr präzise, wer es nicht glaubt oder nicht verstehen will soll’s bleiben lassen!

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    Die Summe der präzisen Arbeiten: Genaues Stichmaß der Rahmenausschnitte, Abstand Achsmitte – Kuppelzapfenlöcher in den Rädern (auf einer Lehre gebohrt) mit Anschläge im Schraubstock gefrästen Achslagergehäusen sowie die Bohrungen des Gestänges waren jetzt so weit fortgeschritten und konnten erstmals zusammenmontiert und mit einer gewissen Spannung überprüft werden.


    Ist die Arbeit über mehrere Monate von Erfolg gekrönt, oder gar einige Teile für die Tonne? Die Stunde der Wahrheit war gekommen. Ein wirklich spannender Augenblick! - Können wohl nur sehr Wenige nachvollziehen -


    Puuh, Durchatmen, die Anspannung war wie weggeblasen, Platz für ein breites zufriedenes Grinsen.


    Die Lok konnte mit dem kleinen Finger sehr leichtgängig verschoben werden, –vor und zurück!



    Fortsetzung folgt.


    Grüße vom Bodensee, Gerhard

  • Bearbeiten der Kuppelstangen für das Innentriebwerk.

    Morgen Hinrich,
    so steht es am Anfang des Berichtes.

    Moin Gerhard,


    sind auf den ersten Bildern nicht eher die inneren Treibstangen zu sehen?

    ....und das kommt dabei raus, -wenn man die Brille verlegt hat.
    Gruß vom anderen Ende des Landes (und trotzdem verstehen wir uns) 8)
    Gerhard

  • Eine 4-Zylinder-Schnellzuglok entsteht



    …Die Kreuzköpfe mit Gleitbahn sowie Traverse für Innensteuerung



    Die Kreuzköpfe innen und außen unterscheiden sich voneinander. Die außen liegenden Kreuzköpfe haben einen Ansatz an dem die Lenkerstange, die den Voreilhebel antreibt, befestigt wird. Innen braucht man diesen Ansatz nicht, weil es innen auch keinen Voreilhebel gibt. Die Dampfverteilung wird von der außen liegenden Steuerung nach innen übertragen, also von rechts außen nach rechts innen und ebenso von links außen nach links innen.


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    Das nächste Bild zeigt die Bauteile, die die Verbindungswellen zur Innensteuerung der Schieber tragen.


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    Zum besseren Verständnis ein Ausschnitt aus der Konstruktionszeichnung: Die Übertragungswelle zur Innensteuerung. Die Bewegung erfolgt pro Seite jeweils parallel, obwohl, oder besser gesagt weil die Kolben der Dampfmaschine um 180° versetzt arbeiten. Alles klar soweit?


    Weit über 100 Jahre alte Technologie aber trotzdem nicht ganz so einfach!


    Aufklärung in weiteren Berichten, falls es überhaupt noch eine kleine Anhängerschaft gibt, die so tief in die Materie einsteigen will.


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    Die Teile der äußeren Steuerung, sind nicht aus dem Vollen, sondern aus Einzelstücke hart zusammen gelötet und brüniert. Die Bohrungen wurden erst zum Schluss eingebracht und ausgerieben und danach noch mit Iglidur- Kunststofflager bestückt. Eine Langzeiterfahrung wird sich erst später einstellen.

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    Fortsetzung folgt.


    Grüße vom Bodensee, Gerhard

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