Meine erste Baugruppe

Bitte tragt Eure Termine 2019 im Kalender ein.
  • Hallo allerseits,


    endlich habe ich wieder etwas zu berichten ;)


    Im Sommer letzten Jahres machte ich mich an die definitiven Formen für Vor- und Nachlaufräder, musste diese jedoch halbfertig beiseite legen und mich dringlicheren Angelegenheiten widmen. Da ich auch eine Zeit lang meine Werkstatt nicht vernünftig nutzen konnte, ging ich den Themenkreis Blech und Schweißen an. Herausgekommen ist der Drehgestellrahmen für meine Herzensdame, wenn auch erst im Rohbau:


    Bitte melden Sie sich an, um diesen Anhang zu sehen.


    Ausgangspunkt waren für mich diese Seitenansicht…


    Bitte melden Sie sich an, um diesen Anhang zu sehen.


    … und rund ein Dutzend Fotos. Da die Lok sich durch (maßstäblich umgerechnet) halb so große Radien zwängen muss wie das Original, war eine Bogenlaufstudie unumgänglich – hier der vordere Teil:


    Bitte melden Sie sich an, um diesen Anhang zu sehen.


    Wie zu erwarten, ist der Ausschlag des Drehgestells rund doppelt so groß. Dadurch kommen sich der Führungszapfen und die Gleitbahnen für die Stützzapfen in die Quere, weshalb sie gegeneinander versetzt werden müssen. Da der von den Stützzapfen übertragene Gewichtsanteil der Lok gleichmäßig auf die Achsen aufzuteilen ist, müssen diese in der Mitte bleiben und der Führungszapfen weichen – ich entschied mich für vorne. In Folge wanderte auch der vordere Querträger nach vorne, und das so weit, dass ein originalgetreuer Nachbau des Rahmens nicht mehr möglich ist. Nichtsdestoweniger war ich bemüht, die Originalkonstruktion wenigstens in ihren wichtigsten Merkmalen nachzuvollziehen.


    Sobald die grundlegenden Parameter festlagen, konnte ich die Bleche zeichnen und schneiden lassen (1.4301, St .2 mm, Wangenbleche 2,5 mm):


    Bitte melden Sie sich an, um diesen Anhang zu sehen.


    Spätestens jetzt hieß es, sich so richtig mit dem Schweißgerät anzufreunden. Nach einer Woche Übungsnähte machte ich mich an den ersten Verbinder, verbrutzelte ihn jedoch umgehend bis zur Unbrauchbarkeit. Nach weiteren zwei Wochen hatte sich dann ein ansehnliches Arsenal an Übungsteilen angehäuft…


    Bitte melden Sie sich an, um diesen Anhang zu sehen.


    … und ich wagte mich wieder ans Drehgestell. Rund zwei Monate später ergab sich dieses Bild…


    Bitte melden Sie sich an, um diesen Anhang zu sehen.


    … und nach Ergänzen von knapp 120 Schrauben dieses:


    Bitte melden Sie sich an, um diesen Anhang zu sehen.


    Da ich mich praktisch in allem auf Neuland begab, waren Fehler unvermeidlich. Hier die wichtigsten Erkenntnisse:

    • Von Wolfgangs (Kroko94) I-Trägern hatte ich Passzapfen abgeguckt und setzte sie großzügig an alle Kanten meiner Bleche. Das rächte sich gleich mehrmals: Da die Blechkanten leicht nach außen und noch dazu mit ca. 7 Grad Schräge geschnitten waren (Wasserstrahl), musste ich alle nachschleifen und -feilen, wobei die Zapfen brutal im Wege standen. Da die für die Zapfen vorgesehenen Löcher schmaler waren, musste ich alle Zapfen dünner schleifen. Beim Schweißen schmelzen die Ecken derZapfen und der angrenzenden Blechkanten weg und hinterlassen Kerben, die entweder zu verschmerzen oder aufzufüllen sind. In Summe ein Vielfaches an Zeitaufwand.
      Fazit: Auf Zapfen womöglich verzichten, man kann mit etwas Übung die Bleche auch ohne sie auf Zehntel genau zusammensetzen und punkten.
    • Auch von Wolfgang wusste ich, dass die Teile entlang der Schweißnähte schrumpfen, und kannte auch ungefähr das Maß. Aber: Bei jedem Nachbessern (Löcher in Nähten, Innenecken u.Ä.) schrumpft die Schweißnaht wieder ein Stückchen weiter, dtto bei zweiseitigen Nähten: Sollen an meinem äußeren Querverbinder das T-Profil unten und das L-Profil oben gleich lang sein, hat man bei vorgeschnittenen Blechen schlechte Karten. Das Schrumpfungsmaß hängt auch davon ab, wie viel Blech entlang der Naht vorhanden ist – zwei aneinander geschweißte schmale Streifen schrumpfen mehr als ein schmaler an einem breiten Blech.
      Fazit: Sollen Schweißteile auf Zehntel genau passen, Bleche womöglich mit Aufmaß schneiden und erst nach dem Schweißen auf Maß schleifen.
    • Das gleiche gilt auch für Löcher: Ich hatte alle schneiden lassen und verbrachte Unmengen Zeit damit, Löcher und Kanten in eine vernünftige gegenseitige Lage zu bringen.
      Fazit: Löcher nur in ein Blech schneiden, die Gegenstücke erst nach dem Schweißen bohren.
    • Das Schrumpfen führt auch zum Verbiegen. Niro ist da geduldig und lässt sich richten. Schwierig wird´s, wenn sich Rechtecke zu Kreisbögen verziehen, geht aber auch.
    • Und nochmal zum Schrumpfen: Dies passiert auch quer zur Schweißnaht, also kippen Bleche vom gewollten rechten Winkel an der Seite der Naht zusammen. Das muss man ausbiegen, ggf. hämmern. Schweißt man beide Seiten (sollte man), kann man sich nicht darauf verlassen, dass die Naht an der anderen Seite den Winkel wieder richtet – lieber nach der ersten richten und nach der zweiten korrigieren. An einem T-Profil hat der Querflansch oben natürlich einen leichten „First“ und seine Seiten liegen etwas unterhalb der Kante des Stehblechs. Laufen drei Kanten zusammen (Kastenecke) und man schweißt innen eine geschlossene Ecke, zieht sie sich unweigerlich nach innen – nicht zu retten, will man nicht alle angrenzenden Flächen nachschleifen. Bei meinen Kästen hatte das noch den hässlichen Nebeneffekt, dass die Stirnflächen nach außen gekippt waren. Das konnte ich durch vorsichtiges Aufschmelzen der Seitenbleche an den inneren Bögen korrigieren.

    All die vorgenannten Effekte führten dazu, dass keines der Teile mehr die ursprünglich geplanten Maße hat. Zum Glück ist es bei diesem Rahmen nicht kritisch, ob er nun einen Millimeter schmaler ist, Hauptsache, es klaffen keine allzu große Ritzen. Das ewige Anpassen und Korrigieren hat aber, ehrlich gestanden, manchmal schon an meinen Nerven gezehrt.


    Ja, ich habe viel Lehrgeld gezahlt (in Form von gefühlt zehnfachem Zeitaufwand), bereue es aber keineswegs, habe ich doch jetzt das Gefühl, einigermaßen zu wissen, wie der Hase läuft und wie all das besser zu machen wäre. Etwas gezögert habe ich allerdings, ob ich die Probleme hier so aufzählen soll, bin jedoch zuversichtlich, dass ich dadurch potenzielle WIG-Interessenten nicht abschrecke, sondern ihnen den Einstieg vielleicht etwas erleichtere und sie gewissermaßen aufmuntere, dass man es wirklich von Null auf (und praktisch autodidaktisch) erlernen kann, wenn auch in meinem Fall in vereinfachter Version: in Edelstahl, der problemlos zusammenläuft, und bis auf Ausbesserungen ohne Zusatzdraht. Klar, nicht so ganz fachgerecht, aber wenn´s hält… ;)


    Abschließend noch ein paar Detail- und Vergleichsfotos (die Nicht-Modellschrauben bitte ich vorerst zu entschuldigen):



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Anhang zu sehen.Bitte melden Sie sich an, um diesen Anhang zu sehen.



    Bitte melden Sie sich an, um diesen Anhang zu sehen.Bitte melden Sie sich an, um diesen Anhang zu sehen.


    Bitte melden Sie sich an, um diesen Anhang zu sehen.Bitte melden Sie sich an, um diesen Anhang zu sehen.


    Bitte melden Sie sich an, um diesen Anhang zu sehen.Bitte melden Sie sich an, um diesen Anhang zu sehen.


    Bitte melden Sie sich an, um diesen Anhang zu sehen.Bitte melden Sie sich an, um diesen Anhang zu sehen.


    Bitte melden Sie sich an, um diesen Anhang zu sehen.Bitte melden Sie sich an, um diesen Anhang zu sehen.


    Und ganz zum Schluss ein herzliches Dankeschön an Wolfgang für seine wertvollen Ratschläge! :thumbsup:


    Schöne Grüße...


    Kristian

  • Hallo Kristian,


    Herzlichen Glückwunsch zu Deinem Drehgestellrahmen. Du hast damit den Rubikon überschritten. Nun wäre es an der Zeit, über eine Namensänderung nachzudenken. Wie wäre es mit Echtdampf-Medium.


    Wenn ich nicht wüßte, daß Du vorher noch niemals Edelstahl in der Hand gehabt hättest, würde ich annehmen, Du hättest das WIG-Schweißen erfunden. Deine Nähte sehen perfekt aus, Das sieht in keinem Fall nach einem Anfänger aus. Alles schön gerade und sauber gebürstet (Bis auf das Versuchsstück). Ich bin sicher, Deine Ausführungen werden auch anderen Debutanten die Angst vor dieser Verbindungsart nehmen.


    Nun laß uns nicht so lange zappeln, bis Du uns die ersten Räderfotos zeigst.


    Gruß und weiterhin viel Erfolg
    Wolfgang

  • Mahlzeit Kristian,


    ich bin sehr beeindruckt von deiner ersten Baugruppe, Hut ab vor deiner Ausdauer, die sich nun mehr als bezahlt macht.
    Für einen WIG-Autodidakten hast du ganz schön vorgelegt! Weiter so!


    Gruß Sven

    Lehrling von Nikolaj Nikolajew Lokomofeilowytsch, der unter einer sibirischen Eiche eine Dampflok aus dem Ganzen feilte... :D

  • Hallo Kristian,
    das ich das noch erleben darf. Du hast ja wirklich was drauf. Wenn du so weiter machst stellst du noch einige Nichtanfänger in den Schatten. Wolfgang hat ja schon vorgeschlagen deinen Forumsnamen zu ändern. Füge doch einfach einen Vornamen hinzu. "Kein" würde gut passen. Bau bitte fleissig weiter und schreib was dazu.
    Grüße
    Wolfgang

  • Hallo Kristian


    Ich dachte auch die ganze Zeit, das wir nie Teile zu sehen bekommen, von Deiner Herzensdame.
    Vor paar Tagen waren aber schon mal Fotos zu sehen in GEGA's Schweißtrafothread,
    Ich dachte nur mmh , ist das jetzt von Kristian oder nur als Beispielbild? Niemand ist drauf angesprungen.
    Immer schön weiter so , das kann sich ehrlich sehen lassen !


    Gruß Andreas

  • Hallo Kristian,


    auch von mir herzlichen Glückwunsch zur ersten Baugruppe.
    Respekt was Du da hingezaubert hast!
    Bitte führe den Baubericht weiter. Vor allem mit Fehlern.
    Von wem sollen wir den sonst lernen, ausser von unseren eigenen. :thumbup:


    Viele Grüße und schönes Wochenende
    Frank

  • Kristian,


    auf Grund deines Beitrages "Was meint ihr dazu" und deines Unmutes wegen zu wenigen Bauberichten, gestatte mir die Frage nach weiteren Forstschritten an deiner (!) Herzensdame?

    Hier ließt man ja ebenfalls schon länger nichts neues....:/



    Greetings from NewYork

    Chris

    Das Licht am Ende des Tunnels könnte auch ein Zug sein !!! :D Ich bin der Fräser Eilig, was ich nicht fräs das feil ich.... Genitiv ins Wasser weil es Dativ ist :pinch:

  • Hallo Christian,


    mein Projekt lebt noch, kommt aber gefühlt 5x langsamer voran als gewünscht und wohl auch möglich, so richtig vorzuweisen habe ich im Moment noch nichts.


    Seit einigen Monaten habe ich mich in Forschung & Entwicklung festgefressen, steiniger Weg mit vielen Hindernissen und einigen Sackgassen, wie immer steckt der Teufel im Detail. Berichten werde ich darüber auf jeden Fall, ob nun als Erfolgsmeldung oder unter „so bitte nicht“ – wird sich hoffentlich bald entscheiden.


    Schöne Grüße nach Big Apple

    Kristian

  • Kristian,


    schön zu hören. Du erklärst ja selbst die Gründe für Pausen in Bauberichten.



    Grüße aus Philadelphia


    Christian

    Das Licht am Ende des Tunnels könnte auch ein Zug sein !!! :D Ich bin der Fräser Eilig, was ich nicht fräs das feil ich.... Genitiv ins Wasser weil es Dativ ist :pinch: