Baubericht SBB-Krokodil Be 6/8

  • Hallo Modellbauer,
    ich habe ein Modell des legendären SBB-Krokodils im Maßstab 1:11 (Spurweite 5 Zoll) gebaut. Wenn im Forum Interesse bestehen sollte, könnte ich einen kurzen Baubericht mit Fotos schreiben. Das Modell ist sehr detailliert und vorbildgetreu. „Geschummelt“ habe ich bei den Antrieben. Ich habe aus den Erfahrungen mit meiner E 7710 gelernt. Dort arbeite ich vorbildgerecht mit je einem Motor vorn und hinten, deren Kraft über die Stangen auf die Treibräder übertragen wird. Das führte bei starker Belastung schon mehrfach zum Lockern der Treibzapfen. Um dies zu verhindern, habe ich beim Krokodil jeder Treibachse einen eigenen Motor spendiert, insgesamt also 6 Motoren. So wird die Kraft direkt übertragen. Die Stangen und die Zapfen müssen kaum noch Kräfte übertragen, wodurch ihre Standzeit deutlich verlängert wird. Die Zeichnungen des SBB-Krokodils Be 6/8 und die ausführliche Bauanleitung wurden bereits im Neckar-Verlag veröffentlicht (https://webshop.neckar-verlag.de/index.php?id=329) . Bei Bedarf könnte ich auch auf spezielle Detailfragen eingehen. Besteht Interesse an einem Baubericht?
    Joachim


    Krokodil.jpg

  • Hallo Joachim


    Ja, bitte schreibe einen Baubericht mit vielen Fotos. Ich habe die Pläne in Friedrichshafen am Stand vom Neckar Verlag schon mal in den Händen gehabt. Vieleicht ergibt sich durch die Fotos der Bauphase ob so ein Projekt auch ohne eigene Drehbank oder Fräsmaschine möglich ist.


    Gruss
    Felix

  • Hallo Modellbauer,

    da offensichtlich Interesse besteht, will ich heute mit dem Baubericht beginnen.

    Zuerst ein paar allgemeine Bemerkungen. Das Modell des SBB-Krokodils Be 6/8 III habe ich im Maßstab 1:11 gebaut. Dabei ergibt sich eine Gesamtlänge über Puffer von 1837mm. Eine so große Lokomotive lässt sich nur schwer transportieren. Deshalb habe ich das Modell so konstruiert, dass es ohne Werkzeug mit wenigen Handgriffen für den Transport zerlegt werden kann. Die Maschine besteht aus drei Hauptteilen: Je ein vorderes und ein hinteres Triebdrehgestell (im Wesentlichen baugleich) und dem Führerhaus. Zum Transport wird oben auf dem Führerhaus eine Rändelmutter gelöst und das Führerhaus nach oben abgehoben. Jetzt kommen die darunter liegenden Batterien zum Vorschein. Nachdem die Batterien ausgebaut wurden, werden zwei Flügelmuttern gelöst und das Führerhausunterteil nach oben abgezogen. Jetzt sind auch die beiden Triebdrehgestelle frei und können transportiert werden. Alle Kabelverbindungen sind über leicht lösbare Steckverbinder realisiert, so dass auch diese Verbindungen schnell und ohne Werkzeug gelöst bzw. wieder verbunden werden können. Auf dem Foto ist das Führerhaus abgenommen, der Rest aber noch verbunden. In der Mitte ist der Gewindebolzen zu sehen, der mit der Rändelmutter das Führerhaus hält. Rechts und links davon sieht man die beschriebenen Flügelmuttern und zum Teil auch die Steckverbinder.

    Bezüglich des Antriebes habe ich etwas – bezogen auf das Original – geschummelt. Im Original sitzt in jedem Triebdrehgestell je ein Motor, der über die Stangen die Treibräder antreibt. Da ich mit der Standfestigkeit der Treibzapfen in den Rädern bei einer anderen Lokomotive schlechte Erfahrungen gemacht habe, habe ich das Antriebskonzept geändert. Jede Treibachse hat nun ein eigenes Getriebe mit je einem eigenen Motor – also insgesamt 6 Motoren. Diese treiben die Achse direkt an. Somit werden über die Stangen nur noch minimale Kräfte übertragen, was sich auf die Standfestigkeit bestimmt positiv auswirkt. Details zu den Antrieben berichte ich beim nächsten Mal.

    JoachimLok offen.jpg

  • Hallo Willy,


    die Steckverbinder zwischen den Lokomotivteilen sind von der Firma WAGO. Zum Beispiel den zweipolige Stecker findest Du bei Reichelt unter der Bestellnummer WAGO 890-112.

    Die Akkus sind je 12V, also insgesamt 24V.

    Viele Grüße!

    Joachim


  • Hallo Joachim,

    tolle Lok ist das geworden. Auf die Details zu den Antrieben bin ich jetzt schon gespannt. 6 Motoren ist ja mal 'ne Hausnummer. Welche Motoren hast Du verwendet, wie stark sind sie untersetzt, welche Steuerung hast Du gewählt? Könnte ganz schön eng geworden sein in den Drehgestellen.

    Freue mich schon auf weitere Berichte.

    Viele Grüße

    Detlef

  • Beitrag von Joachim ()

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  • Hallo Modellbauer,

    heute will ich mich den Antrieben widmen. Wie bereits erwähnt, bekommt jede Treibachse einen eigenen Antrieb. Jeder dieser Antriebe federt über die Radlageraufnahme im Rahmen, gegen Torsion sind die Antriebe über die Getriebeflansche beweglich mit dem Rahmen verbunden. So können die Antriebe gut einfedern, sich aber auch in den Radlageraufnahmen seitlich bewegen. Das ist wesentlich für den Kurvenlauf.

    Zwischen den Rahmenwangen steht nur ein innerer Abstand von 81,75mm zur Verfügung. Demzufolge muss das Getriebe sehr schmal sein, denn es muss sich wegen der Kurvengängigkeit auch noch seitlich bewegen können. Demzufolge habe ich das Getriebe 61mm breit gemacht. So ist genug Seitenspielraum vorhanden. Als geeigneten kleinen, doch leistungsfähigen (und billigen) Motor fand ich bei Pollin den OKIN EP 101.527. Der hat zwar nur 80W, aber bei der Untersetzung und sechs baugleichen Antrieben konnte ich kein Leistungsdefizit feststellen. Die Maximalgeschwindigkeit liegt bei ca. 7 km/h. Das Getriebegehäuse ist denkbar einfach zusammengeschraubt. Aus Platzgründen habe ich mich für ein Schneckengetriebe entschieden. Diese Getriebeart ist weger der Selbsthemmung nicht besonders beliebt, hat sich aber bewährt. Die Lok lässt sich trotz Schneckengetriebe problemlos schieben und rollt niemals von alleine weg. Nachfolgendes Bild zeigt den Aufbau ohne Getriebeabdeckung.


    Foto3 (Kopie).JPG



    Für einen ruhigen Lauf der Maschine ist es nicht gut, wenn alle Treibachsen seitenverschiebbar sind. Wenigsten zwei sollten die Richtung vorgeben. Deshalb habe ich jeweils bei der mittleren Treibachse das Seitenspiel aufgehoben, indem ich beidseitig je einen Seitenbegrenzungsring auf die Treibradachse gesteckt habe. Auf die Treibradachse wird nachfolgend beidseitig je eine Radlageraufnahme aufgesteckt.

    Die anderen vier Treibachsen werden ohne Seitenbegrenzungsring montiert. Durch diese Seitenverschiebbarkeit der jeweils ersten und dritten Treibachse erreiche ich eine sehr gute Kurvengängigkeit (theoretisch unter 6 m Radius). 6 m Radius konnte ich nicht testen, aber bei mir läuft die Lok auf Gleisen mit 9 m Radius ganz problemlos.

    Bleibt noch die Frage wie die Radscheiben auf die Treibachsen kommen. Ich habe für eine Montage mit Spannringen entschieden, wie es von Herrn Aulhorn in „Gartenbahnen“ 4/2013 beschrieben wurde. Voraussetzung sind exakt gearbeitete Achsen, geschliffen und gehärtet. Nachfolgendes Bild zeigt das komplette Getriebe mit Spannringen.


    Foto6 (Kopie).jpg



    Nun hat nicht jeder die Möglichkeit zum Schleifen und Härten. Deshalb ist als Alternative auch der Einsatz von Spannsätzen möglich. Diese stellen nicht ganz so hohe Forderungen an die Passgenauigkeit. Mehr dazu in der oben genannten Veröffentlichung des Neckar-Verlages.


    Aber es gibt ein aktuelles Problem. Ich musste feststellen, dass der Motor zumindest momentan nicht mehr verfügbar ist. Deshalb habe ich ein alternatives Getriebe mit dem Motor UNITE MY6812 entworfen. Der Motor ist deutlich teurer, hat aber eine Leistung von 150W (mal 4 = 600W!) und ist im Durchmesser 9mm größer. Trotzdem konnte ich die Getriebebreite bei 61mm belassen, so dass keine Einschränkungen bei der Seitenverschiebbarkeit auftreten. Lediglich das Abfangen der Torsionskräfte am Getriebeflansch hat sich geändert. Beim kleinen Motor wurde einfach ein Rundstahl von der einen Rahmenwange, durch die Getriebeflansche zur anderen Rahmenwange gesteckt und verschraubt. Das geht nicht mehr, der Motor ist im Weg. Deshalb müssen beidseitig in die Rahmenwangen Gewindebohrungen M6 eingebracht werden, in die in der Länge passende Schauben eingedreht werden, die die Getriebe halten.


    Eine letzte Anmerkung:

    Feinde des Schneckengetriebes haben mich angetrieben,
    über eine weitere Alternative nachzudenken. Entstanden ist der Entwurf eines
    weiteren Antriebes, aber mit Stirn- und Kegelzahnrädern. Das Getriebe ist auch
    für etwas höhere Geschwindigkeiten ausgelegt (ca. 10 km/h). Nachteilig dabei
    ist, dass die Getriebebreite auf 64 mm vergrößert werden musste. Das reduziert
    die Kurvengängigkeit etwas, sollte aber trotzdem ab einem Radius von 9 m
    ausreichen. Diese Antriebe existieren bisher nur im Computer, ich habe sie noch
    nicht aufgebaut.


    Alles klar? Noch Fragen?


    Viele Grüße!


    Joachim

  • Hallo Wolfgang,


    die Radscheiben haben ein Nabenmaß von 19,2 mm. Die Achsen haben je zentrisch eine Gewindebohrung M 2,5. Nach der Montage verschwinden die Spannringe ganz in der Radscheibe und ich decke das Ganze mit einer Deckscheibe ab, die zentrisch mit einer M 2,2-Senkschraube gehalten wird. Aber Skizzen sagen mehr als viele Worte:


    Radmontage (Kopie).jpg

    Viele Grüße!

    Joachim