Getriebe selber bauen?

  • Hallo allerseits,


    aus aktuellem Anlass (Bitte melden Sie sich an, um diesen Link zu sehen.) möchte ich hiermit eine Diskussion anstoßen, inwieweit es möglich/sinnvoll ist, einfache oder auch kompliziertere Getriebe selber zu bauen, wenn auch aus zugekauften Komponenten. Den separaten Thread in diesem Forum lege ich an, weil ich 1. Bärnis Thema nicht verwässern will, und 2. kein besser geeignetes Forum gefunden habe (sollte dieses Thema hier unpassend sein, verschiebe es bitte woanders hin, panki - danke).


    Da ich selber keine Erfahrung mit Getriebebau habe, möchte ich als Denkanstoß nur einige Gedanken vorlegen mit der Bitte an alle Modell- oder Maschinenbauer mit mehr Erfahrung, Licht in unser Dunkel zu bringen. Selbstverständlich sind auch Infos jener willkommen, die es versucht und letztendlich doch verworfen haben - bitte nicht schämen, die Schilderung eurer Misserfolge/Fehler kann anderen helfen, sie nicht zu wiederholen.


    Laut Aussagen im vorgenannten Thread ist vor allem die Lärmentwicklung das grundlegende Problem, die in mangelnder Präzision bei der Fertigung sowohl der einzelnen Zahnräder als auch des Getriebes als Ganzem ihren Ursprung hat. Diese Ungenauigkeiten führen dazu, dass beim Übergang der Kraftübertragung von einem Zahn zum anderen geringe oder auch größere Zwischenräume "übersprungen" werden oder umgekehrt bei zu engen Achsabständen Stöße auf die Lager auftreten, und die Schläge verursachen dann das störende Rasseln/Brummen/Kreischen des Getriebes.

    1. Zahnräder:
      Ich kann mir vorstellen, dass "irgendwelche" Zahnräder für ein paar Euro gar nicht so präzise gefertigt sind, dass ein kontinuierliches Gleiten der Zahnflanken gewährleistet wäre. Gewiss ist bei gehärteten und geschliffenen Stahlrädern höhere Präzision zu erwarten als bei minder qualitativen Produkten, allerdings ist der Preis dann auch merklich höher. Und schräg verzahnte Räder, bei denen die geringste Lärmentwicklung zu erwarten ist, wären zweifelsohne unbezahlbar, wenn es sie denn in den unserseits benötigten kleinen Dimensionen überhaupt gäbe. Und auch innerhalb einer Fertigungstechnologie sind bestimmt Unterschiede zwischen einzelnen Herstellern/Anbietern zu erwarten. Kann jemand konkrete Erfahrungen in Sachen Wahl der Zahnräder beisteuern?
    2. Lagerung:
      Sollen Zahnräder fließend greifen, müssen auch die Abstände der Achsen genau sein. Was für Toleranzen sind hier einzuhalten? Muss man in Hundertsteln arbeiten, oder ist z.B. ein Zehntel noch kein großes Problem? Was ist überhaupt sinnvoll mit Hinblick auf die üblichen Fertigungstoleranzen der erhältlichen Zahnräder?
    3. Drehzahlen:
      Je mehr, desto lauter das Getriebe. Die in unserem Metier üblicherweise verwendeten Antriebsmotoren drehen im Leerlauf gut 3000 U/min, bei Nennlast mitunter 2800. Wie sind eure Erfahrungen diesbezüglich - an welche Drehzahlen kann man sich mit einem selbstgebauten Getriebe überhaupt herantrauen?

    Soviel für den Anfang ;)


    Vielen Dank für eure Beiträge und schöne Grüße...


    Kristian

  • Hallo zusammen

    Baut keine Getriebe selber wenn die Drehzahl eines Motors von 15000 oder sogar 20000 Umdrehungen auf 300 bis 400 für unsere Zwecke reduziert werden muss. In meiner Feldbahnlok nach Riehlein läuft jetzt auch ein Riesen Motor mit 300 Umdrehungen nach Getriebe und der braucht auch nur ein Viertel Strom als die geschätzten 15 Zahnräder.

    MfG Harald

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  • Hallo,

    Selbstbau Getriebe zu verpönen oder der Bau als zu schwierig abzutun, da macht man es sich zu einfach. Getriebe können vielfältig sein. Nicht nur Zahnräder sind Getriebebauteile. Es gibt ja auch Riemen, Reibscheiben, Ketten , ...

    Ich denke der erste Ansatz wäre die Überlegung: Was habe ich für einen Bauraum zur Verfügung, Welche Übersetzung, welches Drehmoment, synchro oder nicht , um die Wahl einzuschränken.

    Bei einem Zahnrad-Getriebe auch Schneckengetriebe ist hohe Präzision gefragt und bei einer Metall/Metall Paarung kommt wegen der erforderlichen Schmierung bei hohen Drehzahlen auch noch ein Gehäuse mit den Dichtungselementen dazu. Denkbar ist auf eine Metall/Kunststoff Paarung auszuweichen, aber die erforderliche Präzision bleibt. Und die Bauteile sind entsprechend teuer.

    Alternativ, wenn der Bauraum es erlaubt würde ich ein Riemengetriebe wählen, das auch mehrstufig ausgelegt werden kann, wenn die Übersetzung es erfordert. Es muß nicht ein klassischer Keilriemen sein, Multiripp-Riemen laufen leise und erlauben sehr kleine Scheiben, dass auch hohe Übersetzungen möglich sind. Bis auf die Riemen können die Komponenten selbst angefertigt werden. Planungsunterlagen dafür kann man z.B. auf den Seiten der ContiTech finden.

    Ich habe jetzt einmal diese Art des Getriebes favorisiert, weil ich bei Umbauten an Werkzeugmaschinen gute Erfahrungen gemacht habe.


    Gruß

    Uwe

    Man hat niemals Zeit, es richtig zu machen, aber immer Zeit, es nocheinmal zu machen. [ . . . Murphys Gesetze].

  • Hallo,


    es ist immer eine frage der Randbedingungen.

    Bauraum, Untersetzung, verwendete Motoren,...aber auch, was man später von dem Fahrzeug erwartet.

    Mein ET 194 11 ist als "Spaßmobil" konzipiert. Die Anforderung ist, dass er "mal eben schnell" für einen Fahrtag verladen werden kann und mich auf normalen Strecken zieht.

    Dafür ist ein einfaches Selbstbaugetriebe die beste Wahl gewesen. Eine zweite Untersetzungsstufe erfolgt über den Kettenantrieb.

    Für größe Lasten ist er nicht gemacht. Das Vorbild war motormäßig etwa gleichauf mit einer Köf.

    Die Panzerdraisine hat das gleiche Getriebe. Auch sie zieht mich locker. Durch die direkte Anbringung des Getriebeblocks am Rahmen und das ebenfalls direkt am Rahmen verschraubte Stahlgehäuse "heult" sie erwartungsgemäß bei höheren Geschwindigkeiten (die das Vorbild nicht erreicht hat...)


    Viele Grüße


    Holger

  • Hallo zusammen,

    die Konfiguration nach Riehlein ist um damals leicht erhältliche Motoren entstanden. Das funktioniert auch. Aber klar ist Metallzahnräder bei diesen Drehzahlen

    machen Krach. Das lässt sich auch mit Top Fertigungsqualität nur bedingt beinflussen .


    Die Motoren haben einen schlechteren Wirkungsgrad als ein Langsamläufer. Sie passen aber in den Rahmen. Für die hohen Drehzahlen muß man um den

    Krach ein zu dämmen Kunstoff mit Metall kombinieren.


    Ein vom Wirkungsgrad optimaler Antrieb hat Leerlaufdrehzahlen bei 12 Volt zwischen 2000 und 3000 Umdrehungen. Da kann man mit einer Kettenübersetzungstufe

    schon auskommen.



    Gruß Werner

  • Grüss Euch, hallo Kristian


    Um einige Deiner Fragen zu beantworten: Stirnzahnräder sind meiner Erfahrung nach die beste weil simpelste Art ein Getriebe selber zu bauen. Es gibt sie in allen möglichen Abmessungen preiswert zu kaufen. (Wer Zahnräder selber machen will soll doch auch gleich jede Schraube selber fertigen). Ich greife jeweils auf gehärtete von Mädler zurück. Einfach zu berechnen und Stirnräder verzeihen sogar grobe Achsdistanzfehler. Ein Rad mit Modul 1,5 kann man guten Gewissens mit 0.1- 0.3mm Spiel verbauen. Die Flanken dürfen bloss nicht ohne Spiel aneinander schurbeln. Teure, schräg verzahnte Räder bringen unsereiner keine Vorteile sondern eher den Nachteil, dass sie Querkräfte auf die Lager verursachen. Was sich mir bisher noch nicht erschlossen hat ist der Umstand wieso man diese fiesen Heuler von Brushless Motoren verwenden kann. O.k. Werner hat es schön beschrieben: der Platz. Ich habe einen Permanentmagnetmotor mit ca 300 Watt, den ich mit einer lumpigen 20 A Steuerung laufen lassen kann. Bei Max 2800 1/min kreischt da kein Zahnrad. Ölbad kann man sich schenken, gelegentliches schmieren mit (Ketten)spray reicht völlig. Ich werde jedenfalls auch in Zukunft meine Getriebe selber zusammenschustern weil ich dann habe was ich brauche.


    Schönen Abend! Euer Dani

    Feldbahnmässiger Regelspurbetrieb mit elektrischen Dieseldampflokomotiven

  • Moin Dani,


    Zitat

    ... weil ich dann habe was ich brauche.

    und wenn sich das dann "zickig" zeigt, weißt Du, wem Du die Schuld daran geben kannst. ;);)


    Jaulen kann ein Getriebe auch ganz hervorragend, wenn es denn mit hoher Last betrieben wird, wie ich von meinen "Ausritten" mit Martin weiß. Zur Schmierung von Ketten und Stirnradgetrieben kann ich auf Grund meiner MARTIN-Erfahrungen das ATLANTIC Kettenfett mit PTFE als Spray empfehlen. Es lässt sich einfach aufbringen und wirkt sehr gut. Das gibt es bei unterschiedlichen Händlern, weshalb ich mir einen Verweis spare.


    Viele Grüße Dietrich

    Feinblechner können machen aus feinen Blechen feine Sachen.

  • Hallo Freunde des Getriebebaus,


    für Zahnradgetriebe gibt es eine einfache Methode zur Bestimmung des korrekten Achsabstandes: einen Streifen (Kopier-) Papier zwischen die Zahnräder legen und fest zusammen drücken. Dann stimmt der Abstand.

    Nach dieser Methode habe ich für meine Köf II bereits zwei kugelgelagerte Schneckengetriebe (im Ölbad laufend) gebaut.

    Ich gedenke die Köf aber irgendwann analog der Gmeinder umzubauen, da sie mir immer noch zu langsam ist. Ich kann dann ja mal dazu berichten.....


    Viele Grüße

    Winfried

    Ich fahre auf Spur 7 (Regelspur) oder auf Spur 5 mit der Feld- und Waldbahn